Druckerei-Briefing — Checkliste damit nichts schiefgeht
Alles was du klären musst bevor du einen Druckauftrag erteilst: Format, Papier, Farbe, Veredelung und die typischen Missverständnisse.
Warum ein gutes Briefing alles entscheidet
Die häufigsten Probleme bei Druckaufträgen entstehen nicht in der Druckmaschine. Sie entstehen vorher — durch unklare Kommunikation.
„Ich dachte, das wird matt." — „Stand nirgends, wir drucken Standard glänzend." „Das Blau stimmt nicht." — „Wir haben RGB in CMYK konvertiert, wie gewünscht." „Die Broschüre hat 24 Seiten, nicht 20." — „Wir drucken was geliefert wird."
Ein klares Briefing verhindert 90% dieser Probleme. Und es dauert nur 10 Minuten.
Die Briefing-Checkliste
1. Produkt und Format
| Frage | Warum wichtig | Beispiel-Antwort |
|---|---|---|
| Was wird gedruckt? | Bestimmt Produktionsweg | Flyer, Broschüre, Visitenkarte |
| Endformat? | Maße nach Beschnitt | 210 × 297 mm (DIN A4) |
| Hochformat oder Querformat? | Layout-Richtung | Hochformat |
| Einseitig oder beidseitig? | 4/0 (einseitig) oder 4/4 (beidseitig) | 4/4-farbig beidseitig |
| Falz? | Wickelfalz, Leporello, Einbruchfalz | Wickelfalz auf DIN lang |
2. Papier und Grammatur
| Frage | Warum wichtig | Typische Werte |
|---|---|---|
| Papierart? | Haptik und Optik | Bilderdruck, Naturpapier, Recycling |
| Gestrichenes oder ungestrichenes Papier? | Glanz vs. Matt | Gestrichenes = glänzender, schärfere Bilder |
| Grammatur? | Dicke und Wertigkeit | Flyer: 135–170g, Karten: 300–400g |
| Matt oder glänzend? | Oberflächenwirkung | Matt = edel, Glänzend = leuchtend |
3. Farbe
| Frage | Warum wichtig | Optionen |
|---|---|---|
| CMYK oder Sonderfarben? | Druckverfahren | 4c CMYK (Standard) oder + Pantone |
| ICC-Profil? | Farbverbindlichkeit | ISO Coated v2 (FOGRA39) |
| Farbkritische Elemente? | Abstimmungsbedarf | Logofarbe, Markenfarbe, Hauttöne |
| Proof gewünscht? | Kontrolle vor Produktion | Digitalproof oder Hardproof |
4. Veredelung
| Veredelung | Was es macht | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Matt-Laminierung | Samtige Oberfläche, Schutz | Visitenkarten, Umschläge |
| Glanz-Laminierung | Hochglanz, Farbbrillanz | Flyer, Prospekte |
| Soft-Touch-Laminierung | Samt-Effekt, Premium-Haptik | Hochwertige Karten |
| Spot-Lack (UV) | Glänzende Bereiche auf matt | Logo hervorheben |
| Heißfolienprägung | Gold/Silber/Metallic | Einladungen, Premium |
| Blindprägung | Erhöhte/vertiefte Bereiche | Visitenkarten, Briefpapier |
| Stanzen | Sonderformen | Klappkarten, Verpackungen |
Wichtig: Veredelung bestimmen BEVOR das Design steht. Spot-Lack braucht eine extra Ebene in den Druckdaten. Prägung braucht ein Prägewerkzeug.
5. Bindung (bei mehrseitigen Produkten)
| Frage | Optionen |
|---|---|
| Bindungsart? | Klammerheftung, Klebebindung, Wire-O, Ringösen |
| Seitenzahl? | Durch 4 teilbar bei Klammerheftung |
| Umschlag anders als Inhalt? | Oft dickeres Papier (250–300g) |
| Laufrichtung? | Bei Klebebindung relevant |
6. Auflage und Lieferung
| Frage | Warum wichtig |
|---|---|
| Auflage? | Bestimmt Preis und Druckverfahren |
| Liefertermin? | Expresszuschläge, Produktionsplanung |
| Lieferadresse(n)? | Mehrere Standorte = Splitlieferung |
| Verpackung? | Einzeln verpackt oder Gesamtpaket? |
7. Datenlieferung
| Frage | Standard-Antwort |
|---|---|
| Dateiformat? | PDF/X-4:2010 |
| Beschnitt? | 3 mm umlaufend |
| Auflösung? | 300 dpi |
| Farbraum? | CMYK (ISO Coated v2) |
| Fonts? | Eingebettet oder in Pfade |
| Datenprüfung? | Preflight durch Druckerei? |
Kommunikation mit der Druckerei
Vor dem Auftrag klären
- Produktionsweg: Offset (ab ~500 Stück günstiger) oder Digitaldruck (kleine Auflagen, schnell)?
- Proof: Digitalproof reicht für 90% der Fälle. Maschinenandruck nur bei sehr farbkritischen Jobs.
- Farbverbindlichkeit: Ohne Proof druckt die Druckerei „annähernd" — nicht exakt. Wenn Farben stimmen müssen: Proof beauftragen.
- Musterpapier: Bei unbekannten Papieren ein Muster anfordern. Die Haptik kannst du am Bildschirm nicht beurteilen.
Während der Produktion
- Imprimatur: Die Druckerei schickt einen digitalen Andruck. Prüfe genau: Farben, Text, Layout, Beschnitt. Nach deiner Freigabe geht es in den Druck. Reklamationen danach sind schwierig.
- Änderungen: Vor dem Andruck möglich. Nach Andruck: Teuer (Plattenneuerstellung). Nach Druckstart: Unmöglich.
Die häufigsten Missverständnisse
„Ich habe Ihnen doch eine Datei geschickt"
Datei geschickt ≠ druckfähige Datei. Eine PowerPoint-Präsentation, ein Word-Dokument oder ein Canva-Export ist keine Druckvorlage. Die Druckerei braucht PDF/X — unser Guide zum Druckdaten richtig anlegen zeigt wie. Alles andere verursacht Mehrarbeit und Extrakosten.
„Das soll genauso aussehen wie auf meinem Bildschirm"
Wird es nicht. Dein Monitor ist nicht kalibriert, zeigt RGB und hat eine Hintergrundbeleuchtung — warum RGB und CMYK so unterschiedlich wirken, erklären wir im Detail. Der Druck auf Papier wird anders aussehen. Wenn es wichtig ist: Proof machen.
„Können Sie das Logo größer machen?"
Wenn das Logo als 200-Pixel-JPEG kommt: Nein. Logos brauchen als Vektordatei (SVG, AI, EPS) angeliefert werden. Jede gute Druckerei wird dich darauf hinweisen — aber nicht jede.
„Das war doch beim letzten Mal anders"
Druckergebnisse können zwischen Auflagen leicht variieren — besonders bei Digitaldruck. Papierchargen ändern sich, Maschinen werden kalibriert. Wenn Farbkonsistenz zwischen Auflagen wichtig ist: Farbmuster der letzten Auflage beilegen.
Die ideale Timeline für einen Druckauftrag
| Schritt | Wann | Wer |
|---|---|---|
| Briefing erstellen | 4 Wochen vor Termin | Du |
| Angebot einholen | 3,5 Wochen vorher | Druckerei |
| Design erstellen/finalisieren | 3 Wochen vorher | Designer/Du |
| Druckdaten liefern | 2,5 Wochen vorher | Du/Designer |
| Datenprüfung (Preflight) | 2 Wochen vorher | Druckerei |
| Proof/Andruck | 1,5 Wochen vorher | Druckerei → Freigabe durch dich |
| Produktion | 1 Woche vorher | Druckerei |
| Lieferung | Am Termin | Druckerei |
Fazit
Ein gutes Druckerei-Briefing ist kein bürokratischer Aufwand — es ist die Versicherung, dass du bekommst was du dir vorstellst. 10 Minuten für eine klare Checkliste sparen dir Stunden an Korrekturschleifen und hunderte Euro an Nachdrucken. Noch effizienter: Ein WebToPrint-System, das die meisten Fehlerquellen von vornherein eliminiert.
Das beste Briefing ist das, nach dem die Druckerei keine einzige Rückfrage hat. Nicht weil sie sich nicht kümmert — sondern weil du an alles gedacht hast.
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